Leerstand in der Schweiz — Bedeutung der Leerstandsquote für Investoren
Was ist die Leerstandsquote? - Die Definition
In der Immobilienbranche bezeichnet der Begriff Leerstand ungenutzte oder nicht vermietete Flächen in Gebäuden, die sich im privaten oder öffentlichen Besitz befinden können. Das Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) erfasst jährlich die Leerstände von Wohnungen und Häusern im Land. Eine Immobilie gilt als leerstehend, wenn sie zum Stichtag 1. Juni eines Jahres als dauerhaft verfügbar für Miete oder Kauf angeboten wird, unabhängig davon, ob sie möbliert ist oder nicht. Auch leerstehende Ferienwohnungen oder Zweitwohnsitze, die für mindestens drei Monate vermietet werden sollen, fallen unter diese Definition.
Entwicklung der Leerstandsquote in der Schweiz
Die BFS-Erhebungen im Juni 2024 zeigt, dass 51’974 Wohnungen und Einfamilienhäuser leer standen, was einem Anteil von 1,08 % des gesamten Wohnbestands entspricht. Diese Zahl bedeutet einen Rückgang um 5,1 % im Vergleich zum Vorjahr, der zum dritten Mal in Folge festzustellen war. Der Leerstand an Mietwohnungen ging um 8,6 % zurück, während Eigentumswohnungen vermehrt zum Kauf angeboten wurden, der Leerstand stieg um 9,5 %.
Besonders geringe Leerstandsquoten verzeichnet der Kanton Zug mit 0,39 %, während der Kanton Jura mit 2,98 % die höchste Quote aufweist. Im Vergleich zu 2023 zeigen alle Kantone mit Ausnahme einiger weniger, dazu zählen Zürich und Genf, eine sinkende Leerstandsquote, was auf die verstärkte Nachfrage nach Wohnraum zurückzuführen ist. Weitere Informationen zum Leerstand finden Sie hier: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken.gnpdetail.2024-0359.html
Was bedeutet die Leerstandsquote für Investoren?
Die Leerstandsquote ist ein bedeutender Indikator für Investoren, da sie Aufschluss über die Marktverhältnisse und potenzielle Risiken auf der Ertragsseite gibt. In Kantonen mit niedrigen Leerständen wie Zürich oder Zug ist Wohnraum knapp und begehrt, womit die Vermietbarkeit der Wohnungen gegeben ist.
In Regionen mit höheren Leerstandsquoten, wie dem Jura, müssen Vermieter häufig Anreize bieten, um Mieter anzuziehen, etwa durch kostenlose Mietmonate oder Einkaufsrabatte.
Tipp: Immobilieninvestoren sollten sich vor dem Kauf eingehend über die Leerstandssituation und die Marktentwicklung in der Region informieren, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Das Leerstandsrisiko sollte mindestens im Umfang der kantonalen Leerstandquote eingepreist werden, indem der Prozentsatz von den Nettomietzinsen im Finanzmodell abgezogen wird
Faktoren für eine fundierte Investitionsentscheidung
Regionale Unterschiede
Die Leerstandsquote kann innerhalb eines Kantons stark variieren. Investoren sollten sich deshalb neben kantonalen Durchschnittswerten auch spezifischere, regionale Daten einholen.
Mietpreisentwicklung
In Regionen mit niedrigem Leerstand und hoher Nachfrage sind die Mietpreise tendenziell steigend, was die potenziellen Renditen positiv beeinflussen kann. Ein Überblick über die Mietpreisentwicklung kann hilfreich sein, um Renditeaussichten realistisch einzuschätzen.
Bautätigkeit und geplante Projekte
Neue Bauprojekte oder eine hohe Bautätigkeit können das Angebot an Mietobjekten erhöhen und somit die Leerstandsquote beeinflussen. Wird viel gebaut in einer Region, drückt das grundsätzlich auf die Mieten des Bestands.
Bevölkerungsentwicklung
Ein anhaltendes Bevölkerungswachstum erhöht die Nachfrage nach Wohnraum und kann zu sinkenden Leerständen führen. Ein Fokus auf wachsende Regionen ist für Investoren vorteilhaft, sowohl für die Vermietbarkeit als auch für die Wertentwicklung der Immobilie.
Wirtschaftliche Indikatoren
Die wirtschaftliche Situation einer Region kann ebenfalls die Immobiliennachfrage beeinflussen. Regionen mit positiven Wirtschaftsprognosen und stabilen Arbeitsmarktdaten bieten potenziell sichere Investitionsmöglichkeiten.
Rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen
Gesetze und Steuervorschriften können einen erheblichen Einfluss auf Immobilieninvestitionen haben. Informieren Sie sich, ob der Standort eines interessanten Objekts eine Liegenschafssteuer oder eine Grundstückgewinnsteuer kennt.
Durch die Berücksichtigung dieser Faktoren können Investoren eine umfassende Analyse des Immobilienmarkts in der Schweiz durchführen und fundierte Entscheidungen treffen, die das Risiko minimieren.