Genossenschaftsanteile – Rendite oder Risiko?
Was ist eine Genossenschaft? - Die Defintion
Eine Genossenschaft ist “eine als Körperschaft organisierte Verbindung einer nicht geschlossenen Zahl von Personen oder Handelsgesellschaften, die in der Hauptsache die Förderung oder Sicherung wirtschaftlicher Interessen ihrer Mitglieder in gemeinsamer Selbsthilfe bezweckt oder die gemeinnützig ausgerichtet ist” (Art. 828 OR, https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/27/317_321_377/de#a828). Es handelt sich also um einen freiwilligen Zusammenschluss mehrerer Personen oder Handelsgesellschaften mit einem gemeinsamen Ziel, das sowohl wirtschaftliche als auch soziale und kulturelle Belange umfassen kann. Typische Genossenschaften in der Schweiz sind Wohnbaugenossenschaften, genossenschaftliche Banken und landwirtschaftliche Kooperationen. Das Prinzip der Genossenschaft basiert auf Gemeinschaft und Transparenz: Der Beitritt oder Austritt ist jederzeit möglich, und jedes Mitglied hat ein gleichberechtigtes Stimmrecht (Kopfstimmprinzip), unabhängig von der Höhe seiner Anteile.
Grundprinzipien einer Genossenschaft
Genossenschaften beruhen auf mehreren Grundprinzipien, die sie von anderen Unternehmensformen unterscheiden:
- Selbsthilfe: Genossenschaften zielen darauf ab, ihren Mitgliedern durch kollektive Zusammenarbeit in wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Angelegenheiten zu helfen.
- Selbstverwaltung: Die Mitglieder verwalten die Genossenschaft selbst und treffen Entscheidungen über die Generalversammlung, eine Verwaltung und eine Kontrollstelle.
- Selbstverantwortung: Jedes Mitglied haftet für die Verbindlichkeiten der Genossenschaft und ist gleichzeitig Eigentümer und Entscheidungsträger.
Durch das sogenannte Identitätsprinzip sind die Mitglieder einer Genossenschaft auch deren Besitzer und profitieren direkt von den Aktivitäten und dem Erfolg der Kooperation.
Was sind Genossenschaftsanteile?
Um Mitglied in einer Genossenschaft zu werden, bedarf es einer schriftlichen Erklärung, die häufig mit dem Erwerb von Genossenschaftsanteilen einhergeht. Diese Anteile stellen die Kapitaleinlage eines Mitglieds dar und berechtigen es zur Nutzung der Leistungen der Genossenschaft. Die Anzahl der Anteile und die Höhe der Einzahlung variieren je nach Genossenschaft und können von dieser selbst festgelegt werden.
Beispiel: In einer Wohnbaugenossenschaft investiert ein Mitglied in Genossenschaftsanteile, um Zugang zu Wohnraum zu erhalten. Es besitzt nicht eine bestimmte Wohnung, sondern einen Anteil am Gesamteigentum der Genossenschaft, wodurch es zur Mietzahlung an die Genossenschaft berechtigt ist und gleichzeitig am Vermögen beteiligt wird.
- Vorteile: Mitglieder genießen eine hohe Wohnsicherheit und haben in der Regel ein lebenslanges Wohnrecht. Die Anteile verbleiben in ihrem Besitz und können bei Austritt zurückgegeben werden.
- Nachteile: Genossenschaften entscheiden gemeinsam über die Vergabe der Wohnungen, sodass Mitglieder möglicherweise auf eine lange Wartezeit stossen. Die Rückzahlung der Anteile kann sich ebenfalls verzögern, und in einigen Fällen ist bei Eintritt eine zusätzliche Gebühr fällig
Sind Genossenschaftsanteile eine sinnvolle Geldanlage?
Die Verzinsung von Genossenschaftsanteilen liegt im Durchschnitt bei etwa 1,5 bis 5 % pro Jahr. Während der Mitgliedschaft können sie jährliche Dividenden erhalten, die jedoch bei einigen Genossenschaften gedeckelt sind und der Differenzbetrag in die Genossenschaft reinvestiert wird. Beim Austritt wird den Mitgliedern der Kaufpreis der Anteile zurückerstattet. Eine Gewinngarantie besteht jedoch nicht: Nur wenn die Genossenschaft Gewinne erzielt, erhalten die Mitglieder Dividenden.
Tipp: Häufig wird die Auszahlung der Anteile und Dividenden mit offenen Forderungen der Genossenschaft verrechnet, falls das Mitglied entsprechende Verbindlichkeiten hat.
Risiken für Mitglieder
Genossenschaftsanteile bieten eine attraktive Möglichkeit, um von stabilen Dividenden und gleichzeitig dem Zweck der Genossenschaft zu profitieren. Allerdings bestehen auch Risiken: Mitglieder haften im Falle einer Insolvenz der Genossenschaft mit ihrem eingebrachten Kapital und tragen das volle Geschäftsrisiko. Wenn eine Genossenschaft Verluste einfährt, können die Mitglieder in den Statuten sogar zur Nachschusszahlung verpflichtet werden.
Wichtig: Bevor Sie Genossenschaftsanteile erwerben, sollten Sie sich über die finanzielle Situation und Statuten der Genossenschaft informieren, einschließlich der Rechte und Pflichten der Mitglieder sowie der Investitionsbereiche (z. B. ausschliesslich für Mitgliederwohnungen).